So funktioniert der ETF-Rechner
Der Rechner bietet dir zwei Berechnungswege:
Endkapital berechnen: Du gibst Sparrate, Laufzeit und Rendite ein. Der Rechner zeigt dir, wie viel Vermögen am Ende steht. Das ist der klassische Modus: „Wenn ich 30 Jahre lang 200 Euro monatlich investiere, was habe ich dann?“
Sparrate berechnen: Du gibst dein Ziel ein, zum Beispiel 300.000 Euro für den Ruhestand. Der Rechner ermittelt, welche monatliche Rate dafür nötig ist. Diese Umkehrfunktion macht abstrakte Ziele greifbar.
Zusätzlich kannst du die benötigte Laufzeit, das erforderliche Anfangskapital oder den notwendigen Zinssatz berechnen lassen, wenn du die übrigen Werte vorgibst.
Die Eingabewerte im Detail
Anfangskapital: Wie viel investierst du einmalig zu Beginn? Kann auch null sein. Falls du eine größere Summe hast, etwa aus einer Erbschaft oder Abfindung, trag sie hier ein. Schon 5.000 Euro Startkapital wachsen bei 7 Prozent Rendite über 30 Jahre auf rund 38.000 Euro, ohne eine weitere Einzahlung.
Sparrate: Was zahlst du regelmäßig ein? Die meisten Sparer wählen eine monatliche Rate, die sich am Gehalt orientiert. Du kannst im Rechner auch vierteljährliche oder jährliche Einzahlungen einstellen.
Zinssatz (Rendite p.a.): Die erwartete jährliche Rendite deines ETFs. Dieser Wert ist der unsicherste Parameter, weil er auf historischen Durchschnittswerten basiert. Breit gestreute Aktien-ETFs wie der MSCI World erzielten langfristig etwa 7 bis 8 Prozent vor Kosten. Für eine realistische Planung empfehlen sich 5 bis 6 Prozent nach Kosten.
Laufzeit: Wie viele Jahre soll dein Geld arbeiten? Hier steckt der größte Hebel. Verändere die Laufzeit um zehn Jahre und beobachte, was mit dem Ergebnis passiert.
Zinsintervall: Wie oft werden Erträge reinvestiert? Bei thesaurierenden ETFs geschieht das automatisch. Der Unterschied zwischen monatlicher und jährlicher Gutschrift ist in der Praxis gering, der Rechner berücksichtigt ihn aber.
Tipp: Starte mit der Rückwärtsrechnung. Gib dein Wunschvermögen ein (z.B. 300.000 Euro), wähle Laufzeit und Rendite, und lass dir die nötige Sparrate ausrechnen. So weißt du sofort, ob dein Ziel realistisch ist.
Warum die Laufzeit wichtiger ist als die Sparrate
Wenn du mit dem Rechner experimentierst, wirst du ein Muster erkennen: Die Laufzeit hat mehr Einfluss auf dein Endvermögen als die Höhe der Sparrate.
Ein Beispiel: 150 Euro monatlich bei 7 Prozent Rendite über 30 Jahre ergibt rund 183.000 Euro. Davon hast du nur 54.000 Euro selbst eingezahlt. Die restlichen 129.000 Euro sind Erträge und Zinseszins. Bei nur 10 Jahren Laufzeit wären es rund 26.000 Euro, wovon 18.000 Euro deine eigenen Einzahlungen sind. Der Zinseszins hatte schlicht zu wenig Zeit.
Noch deutlicher wird es im direkten Vergleich: 200 Euro monatlich über 35 Jahre bei 7 Prozent ergeben rund 402.000 Euro. 400 Euro monatlich über 25 Jahre bei gleicher Rendite ergeben rund 324.000 Euro. Im zweiten Szenario zahlst du 20.000 Euro mehr ein, hast aber 78.000 Euro weniger am Ende. Zeit schlägt Sparrate.
Probiere es selbst aus: Trag im Rechner verschiedene Laufzeiten ein und vergleiche die Ergebnisse. Der Unterschied zwischen 15 und 25 Jahren ist eindrücklicher als jede Erklärung.
Ein 25-Jähriger, der 150 Euro monatlich investiert, erreicht mit 65 mehr Vermögen als ein 40-Jähriger, der 300 Euro monatlich spart. Der Grund: 15 zusätzliche Jahre Zinseszins wiegen schwerer als die doppelte Sparrate. Falls du noch nicht sparst, ist heute der beste Zeitpunkt zum Starten.
Kosten, Steuern, Inflation: Was vom Gewinn übrig bleibt
Der Rechner kann nur dann realistische Ergebnisse liefern, wenn du weißt, welche Faktoren die tatsächliche Rendite schmälern.
Fondskosten (TER)
Die Total Expense Ratio (TER) beschreibt die jährlichen Verwaltungskosten eines ETFs. Ein MSCI-World-ETF hat typischerweise eine TER zwischen 0,12 und 0,50 Prozent. Diese Kosten werden automatisch vom Fondsvermögen abgezogen.
Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber: Bei 150 Euro monatlich über 30 Jahre kostet dich eine TER von 0,50 Prozent statt 0,20 Prozent rund 11.000 Euro Endvermögen. Wähle deshalb einen günstigen ETF. Viele Broker bieten zudem kostenlose Sparplanausführungen an, sodass auch Ordergebühren entfallen.
Steuern: Abgeltungssteuer und Teilfreistellung
Kapitalerträge unterliegen in Deutschland der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (zusammen 26,375 Prozent), gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) bleibt steuerfrei.
Wichtig für Aktienfonds-Anleger: Es gilt eine Teilfreistellung von 30 Prozent. Das bedeutet, dass nur 70 Prozent deiner Erträge steuerpflichtig sind. Bei 1.000 Euro Gewinn zahlst du also nicht 263,75 Euro Steuern, sondern nur 184,63 Euro.
Unser Rechner bietet Checkboxen für Steuern und Teilfreistellung, die du aktivieren kannst. So siehst du das Ergebnis nach Steuern, was die Prognose deutlich realistischer macht.
Ausschüttend vs. thesaurierend
Thesaurierende ETFs reinvestieren alle Erträge automatisch. Dadurch bleibt mehr Kapital im Depot, das weiterarbeiten kann. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden aus, die sofort versteuert werden, auch wenn du sie manuell reinvestierst. Der Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden Fonds verstärkt den Zinseszins. Im Rechner kannst du per Dropdown wählen, welche Variante du simulieren willst.
Inflation
100.000 Euro in 30 Jahren haben nicht dieselbe Kaufkraft wie heute. Bei 2 Prozent durchschnittlicher Inflation sinkt der reale Wert um etwa 45 Prozent. Der Rechner kann die Inflation einberechnen und dir das Endkapital in heutiger Kaufkraft anzeigen. Das ist ernüchternder, aber ehrlicher.
Empfehlung: Rechne immer mit Netto-Renditen. Aktiviere im Rechner Steuern und Teilfreistellung und nutze 5 bis 6 Prozent als Renditeerwartung statt der oft zitierten 7 bis 8 Prozent. So planst du konservativ und erlebst im besten Fall positive Überraschungen.
Szenarien durchspielen: So nutzt du den Rechner strategisch
Der Rechner ist mehr als ein einmaliges Prognose-Tool. Richtig eingesetzt hilft er dir, konkrete Entscheidungen zu treffen.
Was-wäre-wenn: Verschiedene Renditen vergleichen
Niemand weiß, wie sich die Märkte entwickeln. Rechne deshalb mehrere Szenarien: Was passiert bei 7 Prozent, was bei 5 Prozent, was bei nur 4 Prozent? Bei 150 Euro monatlich über 30 Jahre erreichst du bei 7 Prozent rund 183.000 Euro, bei 5 Prozent immer noch rund 125.000 Euro. Selbst das konservative Szenario liefert deutlich mehr als die eingezahlten 54.000 Euro.
Sparrate nach Gehaltserhöhung anpassen
Nutze den Rechner nach jeder Gehaltserhöhung: Was bringen 50 oder 100 Euro mehr pro Monat? Über 20 Jahre machen 50 Euro zusätzlich bei 6 Prozent Rendite rund 23.000 Euro Unterschied. Das ist keine Kleinigkeit.
Größere Summen als Anfangskapital einsetzen
Falls du eine Erbschaft, Abfindung oder Bonuszahlung bekommst: Trag den Betrag als Anfangskapital ein und sieh, wie er über die Laufzeit wächst. 10.000 Euro Anfangskapital kombiniert mit 150 Euro monatlich über 30 Jahre bei 7 Prozent ergeben rund 259.000 Euro statt 183.000 Euro ohne Startkapital. Die einmaligen 10.000 Euro machen am Ende 76.000 Euro Unterschied.
Pause simulieren
Was passiert, wenn du drei oder fünf Jahre nicht einzahlen kannst? Trag die kürzere Laufzeit ein, aber behalte dein bisheriges Kapital als Anfangskapital. Du wirst sehen: Eine Pause schadet weniger, als viele denken, solange das bereits investierte Geld im Markt bleibt. Der Zinseszins arbeitet auch ohne neue Einzahlungen weiter.
Nutze den Rechner nicht nur beim Einstieg, sondern regelmäßig. Nach Gehaltserhöhungen, Lebensereignissen oder größeren Marktschwankungen lohnt sich eine Neuberechnung: Bist du noch auf Kurs? Solltest du die Sparrate anpassen? So bleibt deine Planung aktuell.
Weitere Finanzrechner
Häufige Fragen zum ETF-Sparplan berechnen
Wie viel Geld habe ich mit einem ETF-Sparplan nach 10, 20 oder 30 Jahren?
Das hängt von Sparrate, Rendite und Anfangskapital ab. Ein Beispiel: 200 Euro monatlich bei 6 Prozent Rendite ergeben nach 10 Jahren rund 33.000 Euro, nach 20 Jahren rund 93.000 Euro und nach 30 Jahren rund 201.000 Euro. Davon sind nur 72.000 Euro eigene Einzahlungen. Trag deine Werte oben in den Rechner ein und du bekommst dein individuelles Ergebnis.
Wie viel sollte ich monatlich in einen ETF-Sparplan einzahlen?
Das richtet sich nach deinem Einkommen und deinem Sparziel. Nutze die Rückwärtsrechnung im Rechner: Gib dein Zielkapital, die Laufzeit und eine realistische Rendite ein, und der Rechner zeigt dir die nötige Sparrate. Für 300.000 Euro in 30 Jahren bei 6 Prozent brauchst du etwa 300 Euro monatlich.
Welche Rendite kann ich mit einem ETF-Sparplan erwarten?
Breit gestreute Aktien-ETFs wie der MSCI World erzielten historisch 7 bis 8 Prozent pro Jahr vor Kosten. Nach Abzug von Fondskosten, Steuern und Inflation liegt eine realistische Planungsrendite bei 5 bis 6 Prozent. Kurzfristige Schwankungen sind normal, die tatsächliche Rendite ist nie garantiert.
Ab wann lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Der Zinseszinseffekt braucht Zeit. Ab etwa 10 Jahren Anlagedauer wird sein Beitrag zum Endvermögen deutlich sichtbar, ab 20 Jahren dominiert er das Ergebnis. Für Zeiträume unter 5 Jahren ist ein ETF-Sparplan wegen der Schwankungsrisiken weniger geeignet.
Wie lange sollte ich einen ETF-Sparplan laufen lassen?
So lange wie möglich. Je länger die Laufzeit, desto mehr Arbeit übernimmt der Zinseszins für dich. Bei 30 Jahren Laufzeit bestehen oft mehr als zwei Drittel des Endvermögens aus Erträgen statt aus Einzahlungen. Der Rechner zeigt dir den Unterschied für verschiedene Laufzeiten.
Ist ein ETF-Sparplan sicher?
ETFs unterliegen Marktschwankungen und können kurzfristig an Wert verlieren. Durch breite Streuung über viele Unternehmen und Länder sinkt das Risiko erheblich. Historisch hat ein weltweit gestreuter Aktien-ETF über 15 Jahre oder mehr noch nie Verluste verzeichnet. Das Risiko sinkt mit zunehmender Anlagedauer.
Was bringt ein Anfangskapital zusätzlich zum Sparplan?
Einen großen Unterschied, weil das Anfangskapital von Beginn an den vollen Zinseszinseffekt nutzt. 10.000 Euro Startkapital kombiniert mit 150 Euro monatlich über 30 Jahre bei 7 Prozent ergeben rund 259.000 Euro. Ohne Startkapital wären es rund 183.000 Euro. Die einmaligen 10.000 Euro bringen also 76.000 Euro zusätzliches Endvermögen.